Markus A. Hediger ist ein Leser, den man sich als Idealleser wünscht, weil er ständig fragt, was er da liest und wie das, was er liest, funktioniert. Ob er jedoch Zeit haben würde, sich durch eine Arbeit zu wühlen, die so sehr ins Bodenlose wabert wie die Sandsteinburg, das schien mir zunächst fraglich, daß er neugierig sein würde, wußte ich allerdings. Nicht selten habe ich mir gewünscht, ein Autor zu sein, der eine schöne Geschichte zu erzählen weiß, und sie dann, dem Zeitgeist entsprechend relativ seicht entblättert. Um so mehr in mir der Drang anwuchs, die Sprache selbst herauszufordern, wie das nur wenige zu tun wagen, haderte ich mit meinem Los als bedingungsloser Avantgardist nicht zuletzt aus dem Grunde, weil mich das für immer an den Bettelstab bringen könnte. Die Frage, ein anderes Leben zu führen als das meine, stellt sich aber natürlich nicht - und jetzt bin ich 42 und noch am Leben, was ein wenig Glück zu sein scheint. Ich - und das meint mein Leben - ist ausschließlich der Sprache verpflichtet. Ich muß zugeben, daß mich diese Aussicht in jungen Jahren geradezu beflügelte, mit der Zeit aber wurde mir meine natürliche Kompromißlosigkeit immer mehr zur Qual, aber ich komme dem, was ich tun muß, nicht mehr aus. Wer dahinter eine selbstverordnete Romantik vermutet, liegt falsch.
Und so die Sandsteinburg. Was ist das überhaupt, wonach es mich drängt? Es ist immer auch das Verlorene, das Vermutete, das Unwahrscheinliche (zu dem eben auch gehört, daß es uns - daß es überhaupt etwas gibt). Ich frage mich stets, woher das kommt, was man dann "seine Sprache" nennt. Bezeichnenderweise nennt man einen Teil dessen, was wir erlernen können Muttersprache (aber meine Mutter wäre, wenn sie manches von mir lesen könnte, entsetzt). Ich will hier nicht bereits das vorweg nehmen, was in Markus' vorzüglicher Avenida Perdida einmal in der Woche unser Thema sein wird, und deshalb schließe ich hier und lasse Sie vorerst allein.
Hediger/Perkampus - Gespräche : Sandsteinburg, Teil 1: Das Universum in seiner Potenz
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