10. Halkyonische Tage

Ein sehr dünner Faden ist übrig, Schall (Ausbreitung von Druck, Dichte, Temperatur, Geschwindigkeitsstörungen) vielleicht trägt er keinen Namen oder er heißt nur November oder das Ende des Jahres, die Ferne : ein Ruf, hinausgestolpert ohne Zutun nämlich gestoßen (es ist schon kalt, es ist Winter in allen Gefilden, Halkyone und ihr Gatte Keyx bereits in Eisvögel verwandelt) kein Ruf, den man der Nachtigall stielt, nur zwei Menschen sind alle Menschen, nur eine Insel ist ihr Bett und nur das Schweigen ist ihr Tod. Eines Tages geht jemand, geht irgendwohin, möglicherweise in ein anderes Land, um sich anzusehen, was es dort zu entdecken gibt (was ist das für ein Volk! ganz nach dem Herzen eines Bramarbas oder Holofernes!) oder aber (nicht geringer) jemand geht vor die Haustür und trifft dort einen Menschen, den er nie zuvor in seinem Leben gesehen hat, er gefällt ihm auf eine ganz bestimmte Art und sagt zu ihm "da bist du ja, laß uns nach Hause gehen" das Geräusch deiner Bewegung wenn du nicht mehr bei Sinnen bist, wenn du glaubst daß die Tore sich bald weit öffnen, große Tore, so groß wie hoch wie weit, da kommen wir her, aus dieser Erinnerung, alles explodierte zum ersten Mal und da kommen wir her doch alles explodiert zum ersten Mal, es entsteht der Vorhang mit eisigen Nüstern, der entsteht und noch viel mehr, mit eisigen Nüstern (das Pferd von Füssli entsteht) die Träume sind die Gattung, der Alptraum ist die Art, Flaubert war Mystiker, er glaubte an nichts, Maske Rose Münze Verbrechen Liebe Tanz Furor, im Traume den Schaden abzuwenden wiederholt man dreimal die berühmten sehr berühmten Worte Götz von Berlichingen mit dem Arse rasch dreimal, beim zweiten Mal mit Inversion und die Zauberinnen zeigen dem Hagel den nackten Hintern, der Hagel hört auf oder die Bleichweiber (es ist eine Ehrenstrafe das herablassen der Hose) und auf dem Hintern lassen sich die Frauen den Brotteig kneten, das nämlich ist der Liebeszauber, doch da ist etwas an den Büchern, die Traum sind, kurz : wenn man den Frosch nicht küßt, den Apfel nicht reibt, der Regenbogen : etwas zum ansehen, aber nicht zum befühlen (unter ihm) nichts als Gaukelei, vielleicht der letzte Ort.

2 Kommentare:

  1. in diesem text wirken die eingeschobenen klammern ganz anders als in der sandsteinburg.
    diesem effekt, den du dadurch erzielst, möchte ich unbedingt auch aus semiotischer perspektive nachgehen. das ist - zumindest in der deutschsprachigen literatur - etwas, was mir so noch nie begegnet ist.

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  2. der punkt bei diesen "prosaskizzen" im gegensatz zur sandsteinburg ist, dass hier ein ganz anderes textgefüge angestrebt wird. tatsächlich fließt die sandsteinburg, wenn man so will, durchaus erzähltechnisch dahin, die einschübe sind ebenen, die hineingeäfft wirken, also auch eine innere - oder zweitstimme implizieren, die die geschwindigkeit etwas ausbremst, aber nicht eigentlich den text trennt.

    hier in den prosaskizzen ist das textgefüge dem gedicht näher als der erzählung, hier herrschen hauptsächlich brüche und assoziationen vor, und die klammersätze sind auch wirklich klammersätze, die so wirken, weil der text eigentlich steht und nicht fließt.

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