September, Eins, Elf

Auf dem Hof - wie sollte es in Kempten anders sein - Lärm. Jemand stemmt vor seiner Garage den Asphalt auf, hämmert und poltert. Da kann man um diese Uhrzeit wohl nicht schimpfend auf dem Balkon erscheinen, man hat so etwas in Lärmhausen hinzunehmen. Der Lärm indes ist eines, aber jetzt gesellt sich eine Nachbarin hinzu (es ist jene, die in der Nacht die Fernsehlautstärke zu einem neuen Rekord tragen möchte) und fragt vermutlich, was er da treibe. Aber sie sprechen nicht miteinander, sie brüllen sich förmlich an. Die Unterhaltung, die sich durch die geschlossene Balkontüre wie das Bellen marodierender Wildhunde anhört, wird in Schwerhörigen-Lautstärke geführt. Jetzt, da ich meine Brille habe, höre ich auch besser. Und die Brille wozu? Wer 16 Stunden am Tag mit Text zu tun hat, entspannt damit seine Augen - und nicht zuletzt seine Launen. Besser ist das natürlich alles längst, meine cholerischen Ausbrüche sind keine Attacken des Wahnsinns mehr, wie noch zu meiner Schweizer Zeit (und ganz extrem in Heidelberg), haben sich in eine stinknormale Exzentrik verwandelt ... jetzt bleibt bei dem Hämmerer schon wieder einer stehen, das sollte mal jemand tun, wenn ich im Schlossgarten Zeitung lese und Notizbücher bändige; aber vielleicht ist es auch der kloakige Lärm, der die Frührentner aus den Nestern treibt. Ich veranstalte ja keinen, ich spreche mit mir selbst, verkoste Worte, obwohl es mir doch eher um die Geschwindigkeit der Sätze geht, die im Kopf, weil zeitlos, anders klingen.
Den Lärm fliehen. Ich werde meinen täglichen Besuch in der Bibliothek heute vorziehen, mich dort durch die FAZ, SZ und ZEIT wühlen, außerdem gibt es noch etwas zu recherchieren. Heute Nachmittag kommen dann auch noch die Heizungsmontöre, da könnte ich auch mit Brille schon wieder einen Anfall bekommen.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen